12.11.2018
Humor kann vieles: Konventionen aufbrechen, dabei helfen, schwierige Situationen zu meistern oder unverkrampfter miteinander umzugehen. Humor kann aber auch einfach den Moment heiterer und lebenswert machen. – Diese Aspekte spielten bei der Eröffnung der Cartoon-Ausstellung „Mit Behinderungen ist zu rechnen“ am Montag, 12. November, zusammen. Im Caritas-Krankenhaus beschäftigten sich an diesem Abend etwa 75 geladene Gäste gemeinsam mit Cartoonisten Phil Hubbe mit der Frage: Darf man über Behinderung lachen?
Dass dies
metaphorisch sehr gut geht, bewies Dr. Oliver Schmidt, Hausoberer des
Caritas-Krankenhauses und Beisitzer im Caritas-Förderverein, in seinen
einführenden Worten. Denn: "Phil Hubbe hatte bereits bei der Anreise mit
Behinderungen zu rechnen - in Form der Zugverbindung, die ihn erst in letzter
Minute ankommen lies." Dr. Schmidt begrüßte den Cartoonisten: "Ich danke Ihnen
herzlich, dass Sie uns diese tolle Ausstellung ermöglicht haben. Denn: Humor
kann dabei helfen, dass Behinderte und Nicht-Behinderte unverkrampfter
miteinander umgehen und das ist nicht nur im Krankenhaus sondern gerade auch im
täglichen Miteinander bedeutend."
Dass Phil
Hubbe selbst Multiple-Sklerose (MS)-Betroffener sei, mache es ihm als Zeichner
möglich, Probleme zwischen Behinderten und Nichtbehinderten mit einem ganz
eigenen Humor aufs Papier zu bringen, betonte auch Helmut Wolf, Geschäftsführer
des Vereins der Freunde und Förderer des Caritas-Krankenhauses Bad Mergentheim.
Er hatte die Cartoon-Ausstellung nach einem Tipp der MS-Betroffenen Claudia Egg
ins Caritas geholt. Daher freue sich der Förderverein besonders, dass Phil
Hubbe nicht nur die Ausstellung im Caritas-Krankenhaus möglich gemacht habe,
sondern auch beim 9. MS-Tag einen Fachvortrag halte.
Die Einführung in die Ausstellung übernahm dementsprechend der Neurologe und erfahrene MS-Therapeut PD Dr. Mathias Buttmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie im Caritas-Krankenhaus: "Phil Hubbe ist ein Mensch, der mit seinen 52 Jahren mehr erlebt und erfahren hat, als manch anderer. Er ist ein Mensch, der sein Hobby zum Beruf machen konnte und damit anderen hilft. Er ist ein Mensch, der nicht gern im Rampenlicht steht, aber durch diese Laudatio muss er trotzdem durch." Bereits von Kindesbeinen an habe der Magdeburger, dessen Großvater Kunstmaler war, gezeichnet, zunächst aber nach dem Abitur ein Mathematikstudium begonnen. Als nach diversen Fehleinschätzungen schließlich 1985 Multiple Sklerose diagnostiziert worden sei, habe seine erste Frage gelautet: "Wann kann ich wieder Fußball spielen?" Die zweite: "Kann ich weiterhin zeichnen?" Die Ärzte verneinten beides, doch Hubbe habe nicht aufgegeben, 1992 sogar das Zeichnen zu seinem Beruf gemacht - mittlerweile mehrfach prämiert und im Einsatz für mehr als 20 Zeitungen und Zeitschriften. "Ermutigt durch Freunde und Bekannte mit Behinderungen unterschiedlichster Art hat Phil Hubbe sich schließlich in seinen Zeichnungen mit dem Thema Behinderungen auseinandergesetzt. Immer mehr Betroffene kamen auf ihn zu und baten darum, auch ihre ganz spezielle Behinderung oder Erkrankung aufs Papier zu bringen. Und das tut er bis heute: direkt, teils sarkastisch, aber mit einem sehr liebevollen, menschenfreundlichen Grundton, der es Behinderten wie Nicht-Behinderten möglich macht, sich in den Cartoons wiederzufinden", lobte PD Dr. Buttmann den Stil des Künstlers. Er bezeichnete Phil Hubbe als "Brückenbauer", der aufzeige, dass es in einer leistungsorientierten Gesellschaft, in der jeder einwandfrei funktionieren soll, immer auch einen Platz für Menschen mit Behinderungen geben müsse.
Schließlich
bat er den Künstler, künftig in seinen Cartoons noch stärker auch auf die
Probleme der steigenden Ökonomisierung im Gesundheitswesen hinweisen. "Wenn Sie
zeichnen könnten, dass es bei einer Krankheitsdiagnose oder plötzlich
auftretenden Behinderung Menschen braucht, die sich Zeit für die Patienten
nehmen können und auf ihre Sorgen und Ängste gezielt eingehen, statt
beispielsweise in einem Dokumentationssumpf für eine bessere Abrechenbarkeit zu
ertrinken." Er sei froh, dass er in einem kirchlichen Krankenhaus arbeite, wo
auf den zwischenmenschlichen Umgang Wert gelegt werde, aber er kenne auch ganz
andere Zustände. "Die eine oder andere Karikatur eines der besten deutschen
Cartoonisten zum Wachrütteln kann hier sicher nicht schaden", so PD Dr.
Buttmann abschließend.
"Jetzt hat
Dr. Buttmann bereits so viel über mich verraten, da können wir ja direkt zum
gemütlichen Teil übergehen", begann Künstler Phil Hubbe witzelnd seine
Ansprache. "Ich hatte das Glück, bei meiner MS-Diagnose 1985 von Menschen
umgeben gewesen zu sein, die mir Sicherheit gegeben haben. Zusätzlich hat mich
meine Kunst aufgefangen." Er wolle zunächst einmal mit seinen Cartoons
unterhalten, dann zum Nachdenken anregen. Als Botschafter habe er sich nie
gesehen, weswegen er auch erst spät zu den Behinderten-Cartoons gekommen sei.
Doch die Resonanz sei so überwältigend gewesen, dass er die Thematik fest in
sein Repertoire aufgenommen habe. Denn: "Satire darf letztlich alles, man
sollte aber nur über Themen Witze machen, über die man genau Bescheid weiß.
Dann können auch die Betrachter - egal ob Behindert oder Nicht-Behindert -
reflektiert und ganz offen miteinander lachen. Das ist es, was für mich zählt",
so der Künstler.
Die
Ausstellung "Mit Behinderungen ist zu rechnen", die unser Förderverein zusammen
mit dem Caritas-Krankenhaus organisiert hat,
wird noch bis einschließlich 2. Dezember im hinteren Teil des Zentralbaus
(zwischen Haus B und C) im Caritas zu sehen sein. (Jasmin Paul, fv-ckbm)
Wir
als Förderverein sagen Danke!