22.10.2014

Förderverein lädt Russlanddeutsches Theater ins Caritas ein

Förderverein lädt Russlanddeutsches Theater ins Caritas ein

Gut 150 Besucher fanden sich am 22. Oktober im Foyer des Caritas-Krankenhauses ein, um an der Premiere „Zimmer 108“ des Russlanddeutschen Theaters teilzunehmen. Unter den Zuschauern waren Patienten, Mitarbeiter, Mitglieder des Vereins der Freunde und Förderer des Caritas-Krankenhauses, selbstverständlich auch Fans des Russland-Deutschen Theaters.

Für alle Beteiligten war diese Premiere ein Experiment: In einem Krankenhaus wird die Bühne zum Krankenzimmer und "echte" Ärzte, Pflegende und Patienten schauen zu. Das Theater als Reflektion des Alltags - ein gelungenes Experiment wie nach knapp zwei Stunden der warme Applaus des Publikums bestätigte.

In seinen nunmehr fünf Jahrzehnten Erfahrung als Arzt habe er, so Professor Dr. Hans-Dieter Bundschu, zwar schon mancherlei Theater, aber eben noch nie eine professionelle Theateraufführung in einem Krankenhaus erlebt. Durchaus möglich, dass aus der Initiative des Fördervereins, dem Bundschu vorsitzt, eine Initialzündung für weitere Krankenhäuser wird.

Man stelle sich das vor: Mit 40 Krebs, die Operation steht unmittelbar bevor - und dann ein Zimmer teilen müssen mit einem, der zwar alt und einsam ist, aber nicht eigentlich krank, der nicht aufhören kann, seine Nase ins Privatleben des neuen Zimmernachbarn zu stecken. Diesen Alten - René heißt er, wie er schnell zur Schaffung erster Vertraulichkeit preisgibt - gestaltet Peter Warkentin derart überzeugend in allen Facetten von taktloser Neugier über triefendes Selbstmitleid bis zur fürsorglichen und echt besorgten Freundschaft, dass das Publikum gar nicht anders kann, als ihn zu hassen und zu lieben.

Sein Gegenüber, der hier im Doppelzimmer die Nacht vor der OP durchlebt, präsentiert David Winkenstern sehr authentisch: dünnhäutig und streitbar, verzweifelt konfrontiert mit der eigenen Verwundbarkeit, sensibel, todesdurstig und lebenshungrig.

Stark überzeichnet, manchmal am Rande zur Karikatur und dennoch herrlich komisch, von derber Robustheit bis zu einfühlsamer Zartheit reichte die Interpretation der Krankenschwester von Maria Warkentin.

Das Publikum quittierte die präzise, gekonnte und zugleich stellenweise herrlich bizarre Umsetzung mit verdient riesigen Applaus, die hier, an genau diesem Ort, fast noch mehr wert ist als auf der Oberstettener Stammbühne des Russland-Deutschen Theaters. Dort ist das Stück noch einmal am Samstag, 29. November, um 20 Uhr, zu sehen. Kartenreservierungen unter Telefon 0 79 32 / 602 86 und via E-Mail (info@rdtheater.de).